LINOU MEYER

 

DOPPELHEX

 

OPENING 8.5.2026 | 18 Uhr

8.5. - 21.6.2026

 

 

Malen als ein Sich-Einlassen, Nachspüren, dem Unvorhersehbaren Raum geben: Während der einmonatigen Residency von Linou Meyer im Schloss Wiespach entstand aus einem fortlaufenden Impuls heraus eine bemerkenswert große Anzahl neuer Werke. Das Arbeitstempo der Berliner Künstlerin erzeugt eine Unmittelbarkeit, die - Fingerschnipp, hex hex! - an Zauberei denken lässt. Und doch liegt dem ein konzentriertes, beinahe meditatives Vorgehen zugrunde: das Spiel mit magnetischem Sand, der Blick in die Kristallkugel. Meyer versetzte sich in Zustände, in denen Kontrolle nachgibt und Entscheidungen intuitiv fallen.

 

Insbesondere Formen magischen Denkens bilden für die Künstlerin eine wichtige Referenz. Linou Meyer unterläuft Zuschreibungen und binäre Logiken wie gut und schlecht, gelungen und gescheitert. Vermeintliche Fehlerstellen bleiben innerhalb der Werke bestehen und Unvereinbares löst die Künstlerin nicht auf. Es ist ein assoziatives Arbeiten, eine Aushandlung zwischen dem Gefühl und den Bedingungen des Materials. Entsprechend vielseitig sind ihre künstlerischen Mittel: Ölfarbe, Buntstifte Öl- und Pastellkreiden und Glitzerstifte. Die atmosphärischen, nebulösen Bildräume früherer Serien werden dabei zunehmend von reduzierten, zeichnerischen Eingriffen abgelöst. Verworrene Formen, die an kindliche Zeichenweisen erinnern, stehen neben dichten Farbfeldern und durchlässigen Partien; spontane Kritzeleien und funkelnde Partikel führen Irritationen und spielerische Akzente ein. Dabei geht es in den Werken mit phantastischen Titeln wie "Verwehter Turm" und "Magische Weisheit" weder um Eskapismus noch um ein esoterisches Flirren. Linou Meyer arbeitet vielmehr gegen die Disziplinierung des Blicks und - entscheidend - gegen die Disziplinierung der eigenen Geste. Diese bleibt beweglich und unberechenbar, während sie Affekte und Unbewusstes über die Leinwand trägt.

 

An dieser Stelle tritt die im Titel heraufbeschworene Hexe hervor. Folgt man den Theorien von Silvia Federici, wurden mit der Durchsetzung kapitalistischer Ordnungen in deren Figur all jene Eigenschaften bekämpft, die sich nicht in Arbeitskraft übersetzen ließen, etwa Eigensinnigkeit, Intuition und Sensibilität. Meyer übersetzt diese, bis heute meist negativ besetzten Qualitäten - mal eruptiv und überschwänglich, andernorts zurückgenommen und beinahe tastend - in ihre aktuelle Malerei. Die Zwischenräume gestaltet die Künstlerin dabei großzügig, offen, wie Lichtungen in einem Märchenwald, in denen etwas aus uralten Geschichten atmet. Denn nicht alles muss für Linou Meyer besetzt, entschieden oder erklärbar sein. Entscheidend ist vielmehr, was sich nicht bannen lässt.

 

 

 

Text: Esther Hladik, 2026

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