FLORIAN APPELT + RAPHAELA RIEPL
OPENING 28.2.2026 | 11 - 15 Uhr
28.2. - 16.5.2026
ARTIST TALK 11.4.2026 | 11 Uhr
Auf Einladung der Galerie Schloss Wiespach in Hallein treten Florian
Appelt (*1992, Wien) und Raphaela Riepl (*1985, Linz) in einen künstlerischen Dialog, der von vertrauter Ordnung ausgeht und dort ansetzt, wo diese ins Wanken gerät. In
Unexpected Habits untersuchen beide Künstler:innen die Fragilität von Formsystemen und greifen auf alltägliche, architektonische und materiell codierte Strukturen zurück, um deren
funktionale Logik zu unterlaufen und sie in offene, teils surreale Konstellationen zu überführen.
Florian Appelt bewegt sich in seiner Praxis an der Schnittstelle von Skulptur, Installation und raumbezogener Setzung. Er arbeitet dabei mit architektonischen Oberflächen, die als visuelle und
soziale Raster fungieren. In der Werkserie Patterns (2025-dato) setzt sich der Künstler mit Fliesen als ikonografisch sowie funktional aufgeladene Oberflächen auseinander. Geprägt vom
architektonischen Kontext in Wien, in dem keramische Verkleidungen seit Otto Wagner zwischen Funktion, Hygiene und Ornament vermitteln, verschieben die Werke innerhalb der Serie diesen Rahmen
und setzen unterschiedliche Akzente: von der Referenz auf traditionelle Kachelöfen über das Verblassen moderner Interieurs bis hin zur
Überführung steriler Ordnung in körperliche Assoziationsräume. Eine zentrale, wenn auch unterschwellige Rolle kommt dabei der Farbpalette zu: Sie erlaubt punktuelle Verortungen in der
Vergangenheit und schlägt zugleich Brücken zur Gegenwart. Die Arbeiten lassen sich keinem konkreten Ort zuordnen, sondern entfalten sich zwischen Labor, Badezimmer und privatem Innenraum in einem
Spannungsfeld aus Funktionalität und Intimität.
Die künstlerische Arbeit von Raphaela Riepl ist von einer reduzierten Materialästhetik geprägt, in der Licht, Farbe, Luft, Raum
und Zeit zu gleichwertigen Akteuren werden. Im Arbeitsprozess geht die Künstlerin zuerst von der Zeichnung aus, betrachtet sie jedoch nicht als festgelegtes Medium, sondern als offenen Denk- und
Bewegungsraum. Riepls Arbeiten folgen einer Logik der Abweichung, die sich an der Chaostheorie orientiert: Aus kleinsten gestischen Entscheidungen entstehen komplexe, nicht vorhersehbare
Konstellationen, in denen Wahrnehmung als offenes, atmosphärisches Geschehen erfahrbar wird. In der Ausstellung zeigt Riepl Arbeiten aus verschiedenen Serien. Zeichnungen in Ölkreide und Aquarell
treffen auf eine raumgreifende Lichtinstallation aus Neon und Metallträgern, die sich im abgedunkelten hinteren Raum entfaltet und eine atmosphärische Stimmung erzeugt. Das Leuchten ist bereits
von den vorderen Räumen aus wahrnehmbar. Ergänzt wird die Präsentation durch eine eigenständige skulpturale Arbeit aus Lochblech und Neon, die zwischen industrieller Struktur und immaterieller
Setzung oszilliert.
In der Gegenüberstellung beider Positionen stellen die Künstler:innen in Unexpected Habits
die Frage nach Materialität als Zeugnis einer Gegenwart, in der Ordnungssysteme des Alltags zunehmend als fragile Konstruktion sichtbar werden: Was bleibt, wenn Funktion, Kontrolle und Gewohnheit
ihre Selbstverständlichkeit verlieren? Beide Positionen arbeiten nicht mit Abbildern, sondern mit Verschiebungen. Mit Oberflächen, Setzungen und Eingriffen, die den Raum zwischen Struktur und
Auflösung, zwischen Kontrolle und Intuition ausloten. Vertraute Materialien aus architektonischen und industriellen Kontexten werden aus ihrer dienenden Logik gelöst. Zwischen Raster und Geste,
Oberfläche und Durchbruch entsteht eine gemeinsame ästhetische Sprache der Störung: eine Topographie des Dazwischen, in der Ordnung nicht aufgehoben, sondern neu verhandelbar wird.
Text von Livia Klein, 2026






































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